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Dieses Thema hat 4 Antworten
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Plastheniker Offline




Beiträge: 63

24.09.2015 00:10
Schwer-Lkw der Fünfziger und Sechziger: Epochegerechte 20-Zoll-Räder - Woher nehmen? antworten

Liebe Modellbau-Kollegen,

wer seinem Schwer-Lkw der Fünfziger- oder Sechzigerjahre epochegerechte 20"-Felgen geben will, hat ein Problem. M. W. gibt es keine passenden Nachrüstteile.

Von Kriegsende bis in die Siebziger war allgemeiner Standard die 20"-Felge (Schrägschulterfelge, erkennbar am Sprengring) als Scheibenrad oder mit hierzulande abnehmender Häufigkeit als Trilex. Die Radgröße 12.00-22 (Revells Krupp/Büssing) war nach dem Krieg nur noch bei ganz wenigen Typen zu finden und wurde ab Mitte der Fünfziger bei Neuwagen überhaupt nicht mehr verbaut. Ab den Siebzigern kam die allgemeine Umstellung von 20" auf 22,5" (Steilschulterfelge, kein Sprengring; Trilex verschwand in Deutschland eigentlich völlig). Die Radgröße 22,5" findet sich in den Italeri-Bausätzen.


Das Revell-Rad aus dem Büssing-/Krupp-Bausatz?

Der Größenunterschied zwischen dem Revell-Rad und einem entsprechenden 20"-Rad ist gewaltig. Stellt man entsprechende Modellreifen nebeneinander, müßte sofort klarwerden, daß das riesige Revell-Rad, so schön es auch ist, nicht verwendbar ist. Nimmt man es trotzdem, sehen nicht nur die Räder falsch dimensioniert aus, vielmehr führt dies zu Falschdimensionierungen des Modells insgesamt, da man die Riesen-Räder im Fahrerhaus irgendwie unterbringen muß. Ein naheliegendes Höhersetzen des Fahrerhauses hat aus optischen Gründen ebenso seine Grenzen wie ein Vergrößern der Kotflügel/Radausschnitte. Es bleibt eigentlich nur, zusätzlich das Fahrerhaus in der Höhe zu strecken.
Außerdem sind die Reifenflanken und das Profilmuster noch Vorkriegsdesign und wirken ab den späten Fünfzigern anachronistisch.
Insgesamt ist m. E. das Revell-Rad die schlechteste bzw. überhaupt keine Alternative.


Das Italeri-Rad?

Der Raddurchmesser eines 22,5"-Italeri-Rades entspricht mit vergleichbarer Bereifung dem Raddurchmesser eines 20"-Rades. Allerdings sind die Felgen nicht nur deutlich anders gestaltet als eine typische 20"-Felge, sondern der Felgendurchmesser ist, wie die Bezeichnung sagt, augenfällig größer, während der Reifenquerschnitt zum Ausgleich entsprechend geringer ist. Zudem sind die Italeri-Reifen für die meisten Fahrzeuge der Fünfziger und Sechziger recht breit. Das neutrale Zickzack-Profil hingegen paßt zeitlich überall.
Die Italeri-Rad gehen insgesamt also schon eher, erfordern aber immer noch große Konzessionsbereitschaft.



Meine Empfehlung

Meine Empfehlungen für den, der weder Felgen noch Reifen selbst anfertigen will, sind hinsichtlich

- Felgen:
Der Bausatz des Mack DM600 von MPC/Ertl/AMT enthält 20"-Stahlspeichenfelgen, die den in Deutschland verbreiteten Trilex-Felgen weitestgehend entsprechen. Der Bausatz wird gegenwärtig wieder unter dem MPC-Label verkauft, ist z. Z. zwar nur noch bei wenigen US-Versendern erhältlich, soll aber ab dem nächsten Monat vom Hersteller wieder ausgeliefert werden. Die Felgen sind recht einfach abzugießen, so daß im Prinzip ein einzelner Bausatz ausreicht.
Der Bausatz des Peerless Roadrunners von AMT enthält 20"-Scheibenräder, die den in Deutschland gebräuchlichen zumindest sehr ähneln. Der Bausatz ist m. W. sogar bei deutschen Versendern vorrätig. Ich habe die Felgen seit einigen Tagen in Händen, habe sie demzufolge aber bislang noch nicht abgegossen.

- Reifen:
Die genannten beiden Bausätze enthalten zwar sehr schöne und auch größenmäßig eigentlich verwendbare Reifen. Die aufwendig gestalteten Flanken und das Profilbild passen m. E. zeitlich aber nicht.
Dafür passen überraschenderweise einige Reifen aus Revell-Bausätzen. Diese Reifen sollen nach der Beschriftung auf den Flanken und nach ihrer Zugehörigkeit zu modernen Fahrzeugen eigentlich 22,5"-Reifen sein, sind in Wirklichkeit jedoch 20"-Reifen. Sie passen auf die oben genannten Felgen wie angegossen, und ihr schlichtes Zickzack- bzw. Wellenprofil ist zeitlos.
Da sich mein Reifenlager auf (einschließlich Pkw-Reifen) mittlerweile neun große, randvolle Sortimentskästen erstreckt, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen, aus welchen Revell-Bausätzen die Reifen stammen. Ich bin aber aufgrund der Anzahl der vorhandenen gleichen Reifen fast sicher, daß dies die Bausätze der Mercedes NG sind, von denen ich einmal bei einem Ausverkauf mehrere mitgekauft habe. Wie Revell-Reifen manchmal eigen, sind auch diese Reifen sehr nachgiebig. Um gerade bei einem idR schwereren Scratchbau ein Einsinken auszuschließen, sollte auf alle Felgen ein stabiler Viertel-Ring mit passendem Innen- und Außenradius geklebt werden, auf dem dann innerhalb des Reifens das Modellgewicht ruht.


Die Kombination aus MPC-Felge und Revell-Reifen habe ich auch bei meinem unlängst gezeigten Tausendfüßler benutzt.

Gruß aus Pinneberg

Jürgen

Saurier Offline




Beiträge: 1.395

27.09.2015 20:31
#2 RE: Schwer-Lkw der Fünfziger und Sechziger: Epochegerechte 20-Zoll-Räder - Woher nehmen? antworten

Hallo Jürgen

Da hast du vollkommen Recht mit der masshaltigkeit von Bausatz Reifen ist es nicht weit her, speziell wenn es
Noch um ältere Fahrzeuge geht, da stimmt nicht mehr viel, daher baue ich mir meine Felgen und Reifen selber
Wenn es nicht anders geht, habe schon ein weiteres Projekt bereit Baustellen Reifen für die 70 Jahre, wenn ich dann
Mal dazu komme. Auch die kleinen Jumbo Reifen die überall im Einsatz sind möchte ich noch selber aus Gummi fertigen.
Ein erster Versuch von mir aus Resin, hat Silvio an seinem Gruber montiert und die schauen richtig gut aus an dem Aufleger finde ich.


Gruß

Thomas

Plastheniker Offline




Beiträge: 63

28.09.2015 22:31
#3 RE: Schwer-Lkw der Fünfziger und Sechziger: Epochegerechte 20-Zoll-Räder - Woher nehmen? antworten

Hallo Thomas,

ich sehe es genauso.
Zuweilen ist der Eigenbau von Felgen und/oder Reifen zwar nicht zu vermeiden, aber wohl niemand ist unglücklich, wenn er auf verwendbare Bausatzteile zurückgreifen kann. Selbst wenn man mit Drehbank und vielleicht sogar Fräswerk mit Teilscheibe optimal ausgestattet sein sollte, bleibt doch der jedes Mal sehr hohe Zeitaufwand. Insofern war ich über die Unstimmigkeit bei den Revell-Reifen sehr froh, und möglicherweise ist mein Hinweis ja dem einen oder anderen Leser nützlich.

Soweit ich bisher selbst Reifen gegossen habe oder zu diesem Thema etwas gelesen habe, wurde stets mit Gießharz gearbeitet. Wenn du deine Erwägung, mit Gummi zu gießen, umsetzt, wäre es sicherlich für viele sehr interessant, über Arbeitsablauf sowie Vor- und Nachteile gegenüber Gießharz einen ausführlichen Bericht zu lesen.

Gruß aus Pinneberg

Jürgen

XXL Offline




Beiträge: 2.045

29.09.2015 11:44
#4 RE: Schwer-Lkw der Fünfziger und Sechziger: Epochegerechte 20-Zoll-Räder - Woher nehmen? antworten

Hallo Jürgen !

Das Thema hat wahrscheinlich schon viele beschäftigt, leider ist die Auswahl
an Reifen und Felgen wie schon gesagt, sehr eingeschränkt. Da bleibt oft der
etwas neidische Blick auf die Angebote im Militärmodellbau, wo es eine unglaubliche
Auswahl an Zubehör gibt.
Bei meinem FAUN hatte ich ebenfalls dieses Problem, um einen Eigenbau von
Reifen und Felgen bin ich nicht herumgekommen. Thomas hat mich freundlicherweise
mit dem Gießen der Reifen aus einer Gummimasse unterstützt, siehe hier im meinem
Baubericht:
FAUN HZ 70.80/50 W 8x8 (5)

Viele Grüße Jochen

Plastheniker Offline




Beiträge: 63

02.10.2015 00:50
#5 RE: Schwer-Lkw der Fünfziger und Sechziger: Epochegerechte 20-Zoll-Räder - Woher nehmen? antworten

Hallo Jochen,

vielen Dank für den interessanten Link!

Für mich selbst wäre die Möglichkeit, Reifen in Gummi zu gießen, nicht so sehr im Lkw-Bereich wertvoll - irgendwie ging es bei allen Problemen mit Gießharz bislang auch, und mit etwas Übung im Drybrushen ist am fertigen Modell kaum ein Unterschied zu Gummireifen zu sehen - sondern im Pkw-Bereich. Bei historischen Grand Prix-Fahrzeugen sind naturgemäß Innen- und Außenseite eines jeden Rades vollständig sichtbar. Bei der Endmontage den starren Reifen hier sowohl sauber als auch stabil auf der Felge zu befestigen ist immer wieder eine kitzlige Sache, die fast alles verderben kann. Einen elastischen Reifen wie bei einem Bausatz auf die Felge schieben zu können - das wär's.

Mein erster Gedanke "Wie werden hier Luftblasen am gegossenen Teil beseitigt?" scheint nach den Bildern wohl kein großes Thema zu sein.
Aber weiß man, ob die ausgehärtete Masse mit Kunststoffen auf Dauer reagiert? Ich erinnere mich noch mit Grauen daran, daß vor 30 oder 40 Jahren Pkw-Bausatz-Hersteller ihren Bausätzen elastische Reifen beilegten, die die Felgen erst nach jahre- oder jahrzehntelangem Kontakt irreparabel deformierten.
Wie ist es um die Formstabilität der gegossenen Gummiteile unter dauernder Gewichtsbelastung bestellt? Insbesondere wenn aus Stabilitätsgründen mehr oder weniger Metall im Modell steckt, kommt einiges Gewicht zusammen.

Sofern es Langzeit-Erfahrungen insbesondere hierzu gibt, wäre ich für jede Information dankbar.

Gruß aus Pinneberg

Jürgen

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